Konzessionierte Schweizer Online-Casinos als reguliertes Gegenmodell

Wenn die Diskussion über Anbieter ohne ESBK-Konzession an einem Punkt regelmässig hängenbleibt, dann an der Frage nach der Alternative. Wer auf das Spiel nicht verzichten möchte, aber in einem Umfeld mit ernstgemeintem Spielerschutz und schweizerischem Rechtsweg spielen will, findet seit dem 1. Juli 2019 ein reguliertes Gegenmodell: die konzessionierten Schweizer Online-Spielbanken. Aktuell sind rund zehn dieser Anbieter aktiv, ihre Konzessionen wurden Ende November 2023 vom Bundesrat für die Periode 2025 bis 2044 vergeben. Dieser Beitrag stellt das regulierte Segment vor, ohne in Ranking-Sprache zu verfallen, und ordnet die wichtigsten Marktveränderungen des Jahres 2025 ein.
Inhaltsverzeichnis
- Konzessionsvergabe vom 29. November 2023 und die Periode 2025 bis 2044
- Aktive konzessionierte Online-Spielbanken Stand Mai 2026
- Marktveränderungen 2025: Schliessungen, Eröffnungen und Konzessionsentzüge
- Was die ESBK-Aufsicht für Spielende konkret bedeutet
- Der steuerliche Freibetrag: ein unterschätzter Vorteil
- Bruttospielertrag und Marktentwicklung
- Verantwortungsvolles Spiel und Hilfsangebote
- Was vor einer Registrierung zu prüfen ist
- Was aus dieser Übersicht folgt
- Über den Autor
Konzessionsvergabe vom 29. November 2023 und die Periode 2025 bis 2044
Mit Beschluss vom 29. November 2023 hat der Bundesrat die Konzessionen für die schweizerischen Spielbanken für die neue Konzessionsperiode 2025 bis 2044 vergeben. Insgesamt wurden zwanzig Standort-Konzessionen erteilt; ein Teil der konzessionierten Spielbanken hat zusätzlich eine Konzessionserweiterung für den Online-Betrieb erhalten. Stand Mai 2026 sind rund zehn Online-Spielbanken aktiv im Markt. Die genaue Zahl variiert leicht, weil einzelne Konzessionärinnen den Online-Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einstellen oder neue Marken erst auf den Markt bringen. Die Rechtsgrundlage für die Konzession ist Artikel 5 des Bundesgesetzes über Geldspiele in Verbindung mit Artikel 9, der die Voraussetzungen für die Konzessionserweiterung auf den Online-Betrieb regelt. Die konsolidierte Fassung des BGS sowie die Verordnung über Geldspiele bilden die rechtliche Architektur.
Die neue Konzessionsperiode hat einige strukturelle Veränderungen mit sich gebracht. Erstmals seit 2002 wurden Konzessionen für Standorte in Regionen vergeben, in denen vorher kein Casino aktiv war. Zugleich wurde die Pflicht zur Anbindung des Online-Angebots an eine landbasierte Spielbank beibehalten; ein rein digitales Schweizer Online-Casino ohne terrestrisches Pendant ist im Modell des BGS nicht vorgesehen. Diese Kopplung dient dem Spielerschutz, weil terrestrische Spielbanken organisatorisch Erfahrung mit Sozialkonzepten und Selbstsperren haben, die auf den Online-Betrieb übertragen werden kann. Ein vertiefender Blick auf das schweizerische Geldspielregime ordnet das Konzessionssystem in den weiteren rechtlichen Rahmen ein.

Aktive konzessionierte Online-Spielbanken Stand Mai 2026
Die folgende Übersicht stellt die rund zehn aktuell aktiven konzessionierten Schweizer Online-Spielbanken vor. Es handelt sich um eine neutrale Auflistung ohne Bewertungs- oder Empfehlungssprache. Jede dieser Spielbanken unterliegt der Aufsicht der Eidgenössischen Spielbankenkommission, ist in das zentrale Sperrregister eingebunden und betreibt ein gesetzlich verankertes Sozialkonzept nach Artikel 76 des Bundesgesetzes über Geldspiele. Die Reihenfolge ist alphabetisch nach Markenname und nicht als Rangfolge zu verstehen.
admiral.ch
Online-Angebot der Spielbank Casino Mendrisio (Kanton Tessin). Der Online-Betrieb startete am 16. Juli 2025. Spielangebot mit Schwerpunkt auf Slots und Live-Casino, Plattform betrieben in Kooperation mit Novomatic.
casino24.ch
Online-Spielbank des Grand Casino Basel, eines der traditionsreichen schweizerischen Standorte. Spielangebot in deutscher und französischer Sprache.
casino777.ch
Online-Marke der Carletto Holding-Gruppe, in Kooperation mit dem Grand Casino Bern und der Casino Davos AG. Eine der ältesten konzessionierten Online-Marken im Schweizer Markt.
jackpots.ch
Online-Spielbank des Grand Casino Baden (Stadtcasino Baden AG) und damit historisch die erste legale Online-Spielbank der Schweiz. Der Betrieb startete im Juli 2019, wenige Monate nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes über Geldspiele.
mycasino.ch
Online-Spielbank der Grand Casino Luzern AG. Bekannt für eine umfangreiche Live-Casino-Sektion und für die Anbindung an TWINT als Schweizer Standard-Zahlungsmittel.
pasino.ch
Online-Spielbank der Stadtcasino Baden Gruppe in Kooperation mit dem Casino Crans-Montana. Spielangebot vorwiegend deutsch- und französischsprachig.
starvegas.ch
Online-Marke der Casino Pfäffikon AG. Italienischsprachiges Angebot ist ebenfalls verfügbar und richtet sich an den Tessiner Markt.
swisscasinos.ch
Online-Spielbank der Swiss Casinos Gruppe, die in der Schweiz mehrere landbasierte Casinos betreibt. Vergleichsweise breites Angebot an Spielautomaten.
swiss4win.ch
Online-Marke der Sun International Compagnie SA. Spielangebot mit Schwerpunkt auf klassischen Spielautomaten und Tischspielen.
7melons.ch
Online-Spielbank des Grand Casino Bern. Eine der grösseren konzessionierten Plattformen mit einem klassischen Casino-Profil.
Die Liste umfasst zehn aktuell aktive Marken und bildet damit den Kern des konzessionierten Schweizer Online-Marktes ab. Einzelne Marken können in den kommenden Monaten den Markt verlassen oder hinzukommen; die ESBK veröffentlicht eine laufend aktualisierte Liste der konzessionierten Anbieter auf ihrer Website. Wer einen konkreten Anbieter näher prüfen möchte, sollte mit der Lizenz- und Konzessionsangabe im Footer der jeweiligen Website beginnen und sich auf der Aufstellung der ESBK rückversichern.

Marktveränderungen 2025: Schliessungen, Eröffnungen und Konzessionsentzüge
Das Jahr 2025 hat den Schweizer Casino-Markt sichtbar verändert. Mit dem Übergang in die neue Konzessionsperiode haben sich mehrere Standorte verschoben. Am 16. Juli 2025 startete das Casino Mendrisio unter der Marke admiral.ch in den Online-Betrieb und brachte damit einen neuen konzessionierten Anbieter in den Markt. Am 30. Juli 2025 stellte das Casino Basel das Online-Angebot unter der Marke goldengrand.ch ein; die ESBK entzog am 20. August 2025 die Konzessionserweiterung für den Online-Betrieb. Am gleichen Tag wurde der Casino St. Moritz AG die Konzession für die landbasierte Spielbank entzogen, was die Schliessung des Standorts St. Moritz zur Folge hatte.
Am 12. Oktober 2025 schloss die Spielbank Schaffhausen; das Casino Winterthur eröffnete Mitte Dezember 2025 als neuer Standort innerhalb der neuen Konzessionsperiode. Diese Verschiebungen zeigen, dass die Konzessionsperiode 2025 bis 2044 nicht einfach eine Verlängerung des Status quo ist, sondern eine teilweise Neuordnung des Marktes. Für Spielende heisst das praktisch: Die Auswahl an konzessionierten Online-Anbietern ist stabil im Bereich von rund zehn Marken, einzelne Marken wechseln aber den Betreiber oder das Geschäftsmodell. Wer einen alten Account bei einem nicht mehr aktiven Anbieter hat, sollte die offene Saldo-Auszahlung rechtzeitig anfordern.

Was die ESBK-Aufsicht für Spielende konkret bedeutet
Der zentrale Unterschied zwischen einem konzessionierten Schweizer Anbieter und einem Anbieter ohne ESBK-Konzession liegt nicht im Spielangebot, sondern in der Schutzarchitektur. Eine konzessionierte Schweizer Online-Spielbank ist verpflichtet, ein Sozialkonzept nach Artikel 76 des Bundesgesetzes über Geldspiele zu führen, das vom Bundesamt für Justiz im Konzessionsverfahren genehmigt wird. Dazu gehören die Pflicht zur Identitätsprüfung vor der ersten Einzahlung, die Pflicht zur Überwachung des Spielverhaltens, die automatische Einblendung von Warnungen bei auffälligen Verlustmustern und die Möglichkeit, jederzeit eine Selbst- oder Fremdsperre einzuleiten. Die Sperre wird sofort in das zentrale SESAM-Register aufgenommen und wirkt damit zugleich in allen anderen konzessionierten Schweizer Spielbanken.
Hinzu kommen die Zertifizierung der Zufallszahlengeneratoren durch akkreditierte Prüfstellen, die Trennung von Kundengeldern und Betriebsmitteln sowie die Pflicht, Spielerinnen und Spieler bei Streit über Auszahlungen oder Bonusbedingungen an einen schweizerischen Beschwerdeweg zu verweisen. Bei einem Konflikt mit einer konzessionierten Schweizer Spielbank ist letztlich ein schweizerisches Gericht zuständig; eine vergleichbare Möglichkeit besteht bei einem Curaçao- oder Anjouan-lizenzierten Anbieter faktisch nicht. Wer die Unterschiede im Detail nachvollziehen möchte, findet den Vergleich im Bericht über die Anbieter ohne ESBK-Konzession.
Der steuerliche Freibetrag: ein unterschätzter Vorteil
Ein Aspekt der konzessionierten Schweizer Online-Spielbanken, der in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt, ist die steuerliche Privilegierung der Gewinne. Nach Artikel 24 lit. i des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer in Verbindung mit Artikel 7 Absatz 4 des Steuerharmonisierungsgesetzes sind Gewinne aus konzessionierten schweizerischen Online-Spielbankenspielen bis zu einer Höhe von einer Million Schweizer Franken pro Einzelgewinn steuerfrei. Erst über diesem Freibetrag greifen die Verrechnungssteuer von 35 Prozent und die ordentliche Einkommenssteuer.
Dieser Freibetrag gilt ausdrücklich nicht für Gewinne aus Anbietern ohne ESBK-Konzession. Wer in einem Schweizer Steuerverfahren einen Gewinn von beispielsweise CHF 5’000 aus einem MGA-Casino ausweist, muss diesen Betrag in voller Höhe als übriges Einkommen versteuern. Bei einem identischen Gewinn auf jackpots.ch oder mycasino.ch greift dagegen der Freibetrag und der Gewinn bleibt steuerfrei. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Besteuerung von Casino-Gewinnen in der Schweiz zeigt das Rechenbeispiel mit kantonalen Differenzen.

Bruttospielertrag und Marktentwicklung
Wirtschaftlich ist der konzessionierte Schweizer Online-Markt deutlich gewachsen. Nach Zahlen der ESBK lag der Bruttospielertrag der konzessionierten Online-Spielbanken im Jahr 2024 bei rund 310 Millionen Schweizer Franken und damit etwa 8,5 Prozent höher als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum ging der Bruttospielertrag der landbasierten Spielbanken um knapp sechs Prozent zurück. Diese Entwicklung ist Teil eines übergeordneten Trends: Das Online-Segment gewinnt an Bedeutung, das terrestrische Segment verliert. Im Jahr 2025 dürfte der Online-Bruttospielertrag der konzessionierten Anbieter erstmals die Schwelle von 200 Millionen Schweizer Franken pro Halbjahr überschreiten, nach branchennahen Schätzungen.

Vor dem Hintergrund der KPMG-Studie aus dem Jahr 2023, nach der Schweizer Spielende rund 180 Millionen Schweizer Franken jährlich an nicht konzessionierte Anbieter verlieren, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild: Der konzessionierte Online-Markt ist quantitativ noch immer grösser als das Offshore-Segment, aber der Marktanteil illegaler Angebote wird vom Schweizer Casino Verband auf rund vierzig Prozent geschätzt. Die regulatorischen Anstrengungen der letzten Jahre, insbesondere die Netzsperren der ESBK, haben den Markt klar in Richtung konzessioniertes Angebot verschoben, aber das Offshore-Segment ist weiterhin ein relevanter Teil der Realität.
Verantwortungsvolles Spiel und Hilfsangebote
Auch in einem regulierten Umfeld kann das Spiel zur Belastung werden. Die folgenden Anlaufstellen in der Schweiz sind anonym und kostenlos erreichbar.
- SOS Spielsucht, Helpline: 0800 040 080 (24 Stunden, anonym, kostenlos, in Deutsch, Französisch und Italienisch)
- Sucht Schweiz, allgemeine Beratung: +41 21 321 29 86
- Die Dargebotene Hand: 143 (24 Stunden, allgemeine Krisenhilfe)
- Pro Juventute für Kinder und Jugendliche: 147
Eine Selbstsperre in einer konzessionierten Schweizer Spielbank gilt seit dem 7. Januar 2025 auch in allen Casinos im Fürstentum Liechtenstein.
Was vor einer Registrierung zu prüfen ist
Wer sich für einen konzessionierten Schweizer Anbieter entscheidet, sollte trotz aller regulatorischen Sicherheit einige Punkte vor der ersten Einzahlung prüfen. Die Lizenzangabe im Footer sollte mit der Liste der ESBK übereinstimmen; eine direkte Verlinkung auf die ESBK-Aufstellung ist bei den meisten Anbietern Standard. Die Einzahlungslimits und Verlustlimits sollten vor der ersten Einzahlung aktiv konfiguriert werden, nicht erst nach mehreren Spielsitzungen. Die Möglichkeit der Selbstsperre sollte in der Kontoverwaltung leicht auffindbar sein und nicht hinter mehreren Klicks versteckt.
Hinsichtlich der Zahlungsmittel ist TWINT bei den meisten konzessionierten Anbietern verfügbar, ebenso PostFinance, Visa und Mastercard. Kryptowährungen werden in aller Regel nicht akzeptiert, weil die Herkunftsprüfung nach schweizerischem Geldwäschereirecht praktisch nicht zuverlässig möglich ist. Wer Krypto-Zahlungen zwingend nutzen möchte, wird im konzessionierten Schweizer Markt nicht fündig; die Frage ist dann eher, ob die schweizerische Schutzarchitektur oder die Krypto-Option wichtiger ist. Wer mit dem konkreten Rechtsstatus für Schweizer Spielende in einem Offshore-Casino bereits vertraut ist, kann diese Abwägung informierter treffen.
Was aus dieser Übersicht folgt
Die konzessionierten Schweizer Online-Spielbanken sind kein perfekter Markt, aber sie sind die einzige reguläre Möglichkeit, in der Schweiz online Spielbankenspiele zu betreiben, ohne in das Segment der Anbieter ohne Konzession zu wechseln. Sie bieten ESBK-Aufsicht, SESAM-Anbindung, schweizerischen Rechtsweg, deutschsprachigen Support und einen steuerlichen Freibetrag von einer Million Schweizer Franken pro Einzelgewinn. Im Gegenzug ist das Spielangebot enger, sind Boni moderater und sind Kryptozahlungen nicht verfügbar. Diese Einschränkungen sind kein Defizit der Regulierung, sondern das logische Ergebnis eines Aufsichtsregimes, das den Spielerschutz vor das Spielangebot stellt.
Wer aus Sicht der Risikobilanz zwischen einem konzessionierten Schweizer Anbieter und einem Anbieter ohne ESBK-Konzession schwankt, sollte sich vergegenwärtigen, dass der wichtigste Schutz aus der schweizerischen Rechtsordnung kommt: die Sperre, die im akuten Krisenmoment wirkt; der Steuerfreibetrag, der einen Gewinn nicht aufzehrt; das Gericht, das im Streit über eine Auszahlung zuständig ist. Diese drei Punkte sind im regulierten Markt vorhanden und im Offshore-Segment faktisch nicht.
Über den Autor
Andreas Suter befasst sich seit über zwölf Jahren mit der Regulierung des Glücksspielmarktes im deutschsprachigen Raum, mit einem klaren Fokus auf das schweizerische Geldspielgesetz und die Praxis der Eidgenössischen Spielbankenkommission. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen bei Netzsperren, Steuerpflicht von Spielgewinnen und Spielerschutz nach Schweizer Recht. Andreas Suter schreibt aus einer juristisch-redaktionellen Perspektive und richtet sich an erwachsene Leserinnen und Leser, die fundierte Hintergrundinformationen statt Werbung suchen. Mehr zum Autor.
Geschrieben von der Redaktion „Casino Ohne Lizenz”.
